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Kategorie: Orte

Dubai

Meine Mutter war mal in Dubai. Also eigentlich war sie ja in Abu Dhabi, sie ist aber heute noch felsenfest davon überzeugt, es sei Dubai gewesen. Das beschreibt Dubai eigentlich ganz gut. Man kann da mal hinfahren. Man kann aber auch einfach woanders hinfahren – obwohl dorthin ja eigentlich eh keiner fährt, denn für gewöhnlich nimmt man da den Flieger.

Zwischen Dubai und mir ist das so eine Hassliebe. Mit dieser Dreckshitze komme ich einfach nicht zurecht und auf Retortenwelten stehe ich eigentlich auch nicht. Was ich aber mag, sind die Ordnung und Sauberkeit, wie sicher es dort ist, dass einfach alles zu funktionieren scheint, und ich mag es auch, wie man mir von morgens bis abends den Arsch nachträgt. Selbst dass ich dort als Europäer an jeder Ecke gemolken werde, finde ich völlig okay, denn das ist ja nur fair: Solange man ausreichend Schotter im Gepäck hat, kann man seinen Kindern zeigen, wie es früher mal zu Hause war, und wenn das Säckchen leer ist, dann heißt es eben as-salāmu ʿalaykum und bis zum nächsten Mal in Dubai – oder Abu Dhabi.

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Hans

Hans war immer irgendwie der Chaot in der Familie. Und weil Chaoten es gerne anders mögen, war es keine Überraschung, als ihm der Odenwald irgendwann zu eng wurde: zu viel von dem, was es schon immer gab und zu wenig davon, was da noch sein musste.

Also lebte Hans jahrelang in Afrika, Asien und Süd-Amerika, sprach irgendwann die wichtigsten Sprachen fließend und den Rest gut genug und segelte schließlich noch von hier nach da und sonst wohin.

Dabei entging er im Ärmelkanal nur knapp einer Kollision, trieb stundenlang hilflos auf der Ostsee und blockierte den Rhein für eine Weile. Am Ende ging aber immer alles gut und ein Ankerbier gab es so oder so, auch wenn es meistens Wein war.

Vierzig Jahre später sitzt Hans jetzt wieder im Elternhaus im Odenwald, modernisiert nur was unbedingt modernisiert werden muss und freut sich über das, was noch so ist, wie es immer war.

Alles hat seine Zeit.

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Frankfurt

Frankfurt war für uns Jungs aus der Kleinstadt zwischen Neckartal und Odenwald ja quasi New York. Die Fahrt über viel Landstraße und wenig Autobahn dauerte zwar nur rund 90 Minuten, uns brachte sie aber immer in eine völlig andere Welt.

Dort wurden wir zuerst auf der Straße beim Hütchenspiel gerupft, danach am Flughafen aus der Disco geschmissen und schließlich in einem rot beleuchteten Haus in Bahnhofsnähe von Frauen aus aller Welt beschimpft. Die wussten nämlich ganz genau, dass wir Milchgesichter nur schauen wollten. Und in Afrika – jedes Stockwerk repräsentierte damals praktischerweise eine Herkunftsregion – ist einer der Damen die Hutschnur geplatzt und sie zerrte kurzerhand den letzten aus unserer Karawane der Sprachlosen in ihre Kammer der Freuden und schmiss die Türe zu. Als jener, der auch noch unser Fahrer war, dann so laut um Hilfe rief, dass wir es noch durch die geschlossene Türe hörten, bekamen wir es endgültig mit der Angst.

Wir hatten dann erstmal wieder genug von New York und fuhren über wenig Autobahn und viel Landstraße zurück in unsere Kleinstadt zwischen Neckartal und Odenwald.

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Norderney

Markus sagt, wenn man auf Norderney eine Immobilie kaufe, dann tausche man eigentlich nur Geld gegen Backsteine. Und wenn man dann irgendwann die Backsteine wieder gegen Geld tauschen wolle, bekäme man mehr zurück als man investiert habe.

Tauscht man allerdings den selben Betrag Geld hier bei mir gegen Backsteine, man bekäme locker vier Mal so viele wie auf Norderney. Und in Sachsen-Anhalt oder Brandenburg bekäme man wahrscheinlich eine ganze Backsteinbrennerei – samt Tongrube, leerstehendem Konsum, eines biberbraunen Trabis und einer ehemaligen LPG.

Aber Norderney hat halt das Meer und das Meer gewinnt immer.

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Hamburg

Den Norden mochte ich schon immer. Früher sind wir Jungs oft nach Schweden gefahren. Da war das Bier zwar ziemlich teuer, die Mädchen waren dafür aber auch ziemlich hübsch.

In Dänemark waren wir auch. Dänisch klingt komisch, aber die Pommes bei McDonalds wurden dort noch aus frischen Kartoffeln gemacht.

In Finnland allerdings war ich nie. Vielleicht weil die drei finnischen Erasmus-Studenten Miko, Miko und Mika mich anläßlich der wöchentlichen Poker-Runden im ersten Semester immer wieder abfüllten, um mich dann systematisch auszunehmen. Aber was soll man schon von einem Volk erwarten, dem keine Vornamen einfallen, das aber ein eigenes Wort für sich in Unterhosen daheim alleine betrinken kennt.

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Treue

Eigentlich wollen wir doch gar keine Veränderungen. Zumindest nicht grundsätzlich. Oder vielleicht wollen wir das ja irgendwann, aber je älter wir werden, desto öfters freuen wir uns über all das, was noch genau so ist, wie es immer war. Zum Beispiel die Tasse Kaffee für 0,50.

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Odenwald

Wald, wenig Menschen und immer wieder das Gefühl, hier sei die Zeit stehen geblieben. Zum Glück.

Vielleicht ist das beim Älterwerden einfach so: plötzlich wird Heimat wichtig. Und plötzlich merkt man, wie prägend die ersten Lebensjahre wirklich waren. Dann vermischen sich Erinnerungen und Sehnsüchte zur Angst, in der Ferne das Leben verpasst zu haben, dabei ist in der Heimat doch auch nichts mehr so, wie es einmal war.

Außer vielleicht der Wald, die wenigen Menschen und das Gefühl, dort sei die Zeit stehen geblieben. Immerhin.

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Domplatz

Kay sagt, die Masken würden ihn an diese Pestschnäbel erinnern. Und dass das gute Bilder seien.

Er muss es wissen.

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Rom

Vladimir sagt, würde man sich den ganzen Römerkram aus Rom wegdenken, dann wäre das nur die nächste riesige Drecksstadt.

Aber da wären dann ja immer noch Spaghetti Carbonara, Cacio e Pepe, Supplì, Pizza al Taglio und Maritozzo.

Römerkram hin oder her, ich mag Rom.

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